Sonntag, 28. August 2011

Noch ein Bär


Die lange Fahrt auf dem Klondike Highway, zurück nach Whitehorse. Nach drei Wochen Wildnis. Doch die gibt es auch an beiden Seiten der Straße. Der kleine Schwarzbär, mit der interessanten Gesichtsmaske, lief fast vor das Auto. Dann schaute er nur verdutzt. Noch ist das seine Wildnis.

Diamond Tooth Gerties


Essen, ein Bier und am Abend ins Casino. Die wahrscheinlich älteste Spielhalle in Kanada. Mit Sicherheit die Bekannteste. Can-Can Girls, Roulett, Kartentische, Spielautomaten. Ein unterhaltsames Programm mit Tanzeilagen und einem Musiker, der auf das Klavier hämmert.

Pelly-Yukon Tour


Meine Gäste sind zufrieden. Hinter der nächsten Biegung liegt Dawson City. Sie haben die Wildnis gesehen und erlebt, wissen nun wie es ist, dem Alltag und der Hektik zu entfliehen.
Es gab keinen genauen, täglichen Zeitplan. Kein Handy und keine Dusche. Sonne, Wind und Regen haben mit entschieden. Hunderte Kilometer sind wir gepaddelt und wurden nie müde, die Natur so zu erleben, wie sie ist. Wir haben Bären gesehen, Elche, Adler und Wasservögel. An einem Morgen konnten wir Wölfe hören. Die wilden, heulenden Stimmen ein Zeichen für die Wildnis.
Auf dem Pelly haben wir das Wildwasser des Granite Canyon gefahren, die Anspannung, die Begeisterung und nach den hohen, schäumenden Wellen die Erleichterung gespürt, als wir es geschafft hatten.

Barge


Ein Lastkahn schiebt sich den Yukon hinauf. Nach dem White River und dem Stewart River gibt es nur noch wenig Ruhe. Überall werden Bodenschätze gesucht, nicht nur Gold. An fast jedem Seitenfluss wird nach Bodenschätzen geschürft. Hubschrauber und Flugzeuge sind fast täglich zu sehen und zu hören. Gewaltige Maschinen lärmen. Die Minen werden mit allem versorgt, was sie brauchen. Bagger, Diesel, Benzin, Autos. Ein neuer Goldrausch hat begonnen.

Nach dem White River


Der Yukon River ist breit geworden. Unzählige Inseln mit Kanälen lassen ihn zu einem Irrgarten werden. Von links kommt der mächtige White River hinzu. Sein Wasser ist trübe von Schlamm und Treibsand, gesättigt mit feiner Vulkanasche.

Conservation Officer


Der Wind auf dem breiten Fluss war schlimm gewesen. Stundenlang paddelten wir im Regen und hatten am Abend 78 Kilometer zurück gelegt.
Am nächsten Tag trafen wir auf die große Gruppe, die einen Tag vor uns los gepaddelt war. Die Kanus waren zusammen gebunden und schaukelten gemütlich mit der Strömung. Ein Zodiak Boot kam angerauscht. An dem stabilen Schlauchboot ein kräftiger Außenbordmotor und darin ein netter Mann, der plaudern wollte.
Warum? Auch in der Wildnis gibt es Kontrollen und er war von der Naturschutzbehörde. Er wollte wissen, wo die Gruppe her kam, was sie erlebt hatten, ob sie angelten, etwas fangen konnten und ob die Lizenzen vorhanden waren.

Yukon River


Der Fluss ist breit, führt Hochwasser und ist schnell. Wir genießen es, wenn die Sonne scheint, betrachten den blauen Himmel und die fremd aussehenden Klippen. Es sind noch 250 Kilometer nach Dawson City.

Kanus auf dem Yukon


Sechs Kanus machen sich fertig, legen bald von Fort Selkirk ab. Ein Frachtkanu daneben wartet, bis es anlegen kann. Es hat Besucher mit dem Motorboot gebracht. Von nun an wird es für uns fast unmöglich sein, keinen anderen Reisenden zu begegnen.

Cabin


Das alte Blockhaus, mit dem Grasdach, ist ein Teil der Geschichte von Fort Selkirk. Dann wurde Gold gefunden. An den Ufern des Yukon sind überall die Zeichen des Goldrausches zu sehen. Gestrandete Schaufelraddampfer, Hütten, verrostete Maschinen, Werkzeuge.

Fort Selkirk


Das Gold am Klondike war noch nicht entdeckt und an den Seitenbächen standen dort noch ungestört die Elche. An Whitehorse dachte noch niemand. Aber der Handel mit Pelzen begann und hier wurde Fort Selkirk gegründet.
Die Handelsstation wurde von Indianern überfallen, brannte ab, wurde wieder aufgebaut. Familien lebten hier, eine Schule und eine Poststation war vorhanden. Es war der größte Ort in dem Gebiet, das später Yukon Territorium genannt wurde.
Heute kümmern sich die Indianer darum, dass dieser Teil der Geschichte erhalten bleibt.
Nach unserer Ankunft kam eine größere Gruppe und baute ihre Kuppelzelte auf. Der Zeltplatz ist abgegrenzt. Toiletten gibt es auch.

Pelly Farm


Die Familie Bradley betreibt ihre Farm nun schon seit über 50 Jahren. Sie versorgen Pelly Crossing und Whitehorse mit Fleisch, sie halten Hühner, haben einen prächtigen Garten und bauen Futter für das Vieh selbst an.
Die Farm liegt zehn Kilometer von der Mündung des Pelly entfernt. Es war nicht mehr weit bis zum Yukon River. Hier war ich schon einmal vor 32 Jahren gewesen.

Kühe


Keine Bergschafe, keine Ziegen, kein Elch und auch kein Bär, der über die Anhöhe zog. Eine Herde von über 50 Kühen wanderte am Hang entlang. Ein seltener Anblick im Yukon. Doch die Tiere gehörten zur Pelly Farm.

Kanadagänse


Die Gänse auf der Sandbank hatten uns schon lange bemerkt. Die erwachsenen Vögel drückten sich auf den Boden, um nicht bemerkt zu werden. Ihre Küken hockten erstarrt daneben. Erst als das Kanu vorbei war, liefen die Gänse dem schützenden Gestrüpp entgegen, die gelben Küken watschelten hinterher.

Regen


Auch das gehört dazu. Stundenlanger Regen. Ausrüstung und Zelte nass. Peitschender Wind, der einen nur langsam voran kommen lässt, auch wenn die Strömung hilft. Wenn wir auf dem Fluss waren, paddelten wir einfach weiter. Für Stunden. Wir hatten keinen Zeitdruck, doch wir legten im Durchschnitt 50 Kilometer am Tag zurück.

Pizza


Schinken, Salami, Thunfisch, Pilze und Käse, alles für eine Pizza in der Wildnis vorhanden.
Was kann man bei einer Kanutour an Lebensmitteln mitnehmen? Alles, denke ich. Obst, Salat, Eier, sogar Fleisch. Die frischen Sachen sollten jedoch in den ersten Tagen aufgebraucht werden. Andere Lebensmittel sind länger haltbar, wie Kartoffeln. Und was nicht schnell verdirbt, ergibt eine fast endlose Liste. Nudel, Reis, Mehl und die Möglichkeit, unzählige Dosen mitzunehmen.

Bank Swallow


Die Sandklippe sah aus wie ein schweizer Käse. Überall Löcher. Es war eine Kolonie der Uferschwalbe. In der steilen Wand, die nach Süden zeigte, hatten sich die Vögel ihre Niströhren gegraben. Am Ende des engen Tunnels befinden sich die gepolsterten Nester. Hier sind die Vögel sicher vor Feinden und können ungestört brüten. Unablässig schlüpften braune Federbälle in die Brutkammern, während andere ihre Oberkörper aus den Röhren streckten, sich kurz umsahen, bevor sie, wie mit einem Katapult geschossen, in die Luft stießen. Ein unmusikalisches Zwitschern und scharfes „Trit, Trit“ hing in der verregneten Sommerluft.

Bald Eagle


Der Weißkopfseeadler ist ein eindrucksvoller Raubvogel und wir konnten ihn oft sehen. Dann sahen wir viele andere Vögel, immer wieder Möwen, doch auch Enten, Strandläufer, Eulen, Gänse. Bären waren zum Glück am Land weit entfernt, und eine Elchkuh stand am Ufer, betrachtete die vorbei treibenden Kanus.

Giardiasis


Gerade bei einer Reise auf einem Fluss gibt es Probleme mit dem Wasser - oder es wird zu einem Problem gemacht. Alle Veranstalter bestehen darauf, das Trinkwasser gereinigt, gefiltert, abgekocht wird. Der Grund ist Giardiasis, auch Biberfieber genannt. Der Parasit Giardia lamblia verursacht Fieber und Durchfall und es kann zu ernsthaften Beschwerden kommen.
Ist das Wasser in den Flüssen des Yukon trinkbar? Meine Gäste waren einverstanden das wir es so machen, wie ich es schon immer getan habe. Klares, reines, kaltes Wasser aus kleinen Bächen holen, einfach trinken und für die Küche verwenden. Noch nie gab es bei mir damit Probleme. Allerdings habe ich noch nie Wasser unterhalb von Ansiedlungen oder aus dem unteren Yukon River benutzt. Die Entscheidung, was man tun sollte, ist jedem selbst überlassen.

Verpackung


Die Kaffeekanne aufgestellt, im Topf wird Wasser heiß und wenn der Kaffee fertig ist, gibt es Eier und Speck zum Frühstück. So etwas ist nur in den ersten Tagen bei einer Kanutour möglich, denn die Lebensmittel sind nicht alle lange haltbar. In den blauen Tonnen lässt sich alles leicht verpacken, sie sind wasserdicht, leicht zu verstauen und wenn es sein muss, vielleicht auch bärensicher.

Camping


Wo sind die Campingplätze und gibt es dort auch Toiletten? Die Frage wurde mir schon mehrmals gestellt und langsam habe ich mich daran gewöhnt. Nein, ob hier auf dem Pelly, dem Teslin, Big Salmon oder dem großen Yukon River: Das ist Wildnis. Hunderte Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt. Lagern kann man dort, wo es einem gefällt. Wir hatten unser Lager nie zwischen Büschen und Bäumen, sondern auf Kies- und Sandbänken. Die Moskitos kamen zu Tausenden und nur eine freie Fläche mit etwas Wind konnte diese Plage zeitweise abhalten.

Donnerstag, 18. August 2011

Danger Creek


Was für ein Pferd wird das gewesen sein? Nein, nicht auf dem Bild, sondern das erste Pferd in dieser Region, dem sein Besitzer den Namen Danger gab. Gefahr! Das Tier musste um 1905 sterben, da kein Futter für den Winter vorhanden war. Aber ein Bach wurde nach ihm benannt.
An der Mündung des Baches gab es dann wirklich eine Gefahr. Für einem Moment konnten wir den Grizzly bestaunen, waren fasziniert - in der nächsten Sekunde ging er zum Angriff über. Der mächtige Bär jagte am zwei Meter hohen Ufer entlang, sprang in den schnell fließenden Fluss, schwamm direkt auf mich zu. Hielt er mich für einen Elch oder hatte er Junge, die wir nicht gesehen haben?
Der Bär kam schnell näher. Sehr schnell. Mir wurde klar, das ich alleine das Kanu nicht mehr rechtzeitig wenden konnte. Also paddelte ich rückwärts. Der Grizzly folgte. Dann schrie ich ihn an und er antwortete mit einem röhrenden Grollen. UUaaaaaaaaaaaaaaahhhh!!! Mehrmals. Wahrscheinlich schallte es wie ein Kampfruf zwischen Ross River und Faro hin und her.

Jonathan Livingston Seagull


Ob das nun die weltbekannte Möwe Jonathan nach Richard Bach ist, bezweifele ich. Aber sie hat uns immer wieder besucht, denn wir sind noch einen Tag an der Mündung des Lapie River geblieben. Meine Begleiter Chris und Daniel haben einige Äschen (Graylings)fangen können und die Abfälle bekamen die Möwen. Diese Vögel sollten wir auf dem ganzen Fluss immer wieder antreffen.
Die Silbermöwe bleibt zurück und unser erster, langer Paddeltag auf dem Pelly beginnt.

Sonntag, 14. August 2011

Gänsesäger


Die laute Ente ist ein Gänsesäger (Common Merganser). Die Tauchente ernährt sich hauptsächlich von Fischen, auch wenn sie Insekten nicht verschmäht. Der große Vogel nistet gerne in Baumhöhlen, die sich bis zu 15 Meter hoch befinden können. Jetzt sind die Jungen gerade alt genug, um die ersten Paddelversuche zu unternehmen. Die Küken sind vorsichtig, denn eine Möwe schwebt über ihnen und würde sich gerne ein Junges packen. Mit den Paddelfüßen und der Hilfe von den Flügelstummeln flitzen die Kleinen schnell über das Wasser - der rufenden Mutter entgegen.

Lapie River


Wir sind noch nicht einmal 20 Kilometer gepaddelt, als wir unser Lager an der Mündung des Lapie River aufschlagen. Das reicht für den ersten Tag und für meine Gäste beginnt die erste Nacht in der Wildnis.
Am Morgen werden wir durch kreischende Möwen geweckt. Irgendwo krächzt eine Ente. Der einströmende Lapie River ist glasklar und kalt. Dunst bildet sich über dem Pelly. Nur das Plätschern von Wasser ist noch zu hören - sonst ist Stille.

Grizzly


Auf dem Klondike Highway fahren wir von Whitehorse nach Norden bis Carmacks. Kein schlechter Anfang für eine Tour, als wir schon bald unseren ersten Grizzly neben der Straße sehen können. Der junge Grizzly ist vielleicht drei Jahre alt und seine Mutter ist in der Nähe.
Dann biegen wir nach Osten ab, fahren an dem Ort Faro vorbei und erreichen nach über 400 Kilometern unseren Ausgangspunkt, Ross River. Hier werden wir mit den Kanus in den Pelly River einsetzen.

Dawson City


Schon wieder bin ich einmal vor der Goldgräberstadt Dawson City. Der Erdrutsch ist unverkennbar - so hat ihn schon Jack London und der Barde des Yukon, Robert Service, gesehen. Die beiden Schriftsteller haben Dawson City in der ganzen Welt bekannt gemacht. Morgen ist Discovery Day - Feiertag im Yukon. Er erinnert an das Jahr 1896, als Gold am Klondike River gefunden wurde.
Das Wetter ist auch jetzt nicht viel besser als im Juli. Dawson City hat normal in diesem Monat 14 Regentage. In diesem Jahr waren es 22.
Für mich ist dieser Moment das Ende einer schönen Kanutour, über die ich hier noch einiges berichten möchte. Drei Wochen unterwegs, 700 Kilometer durch die Wildnis gepaddelt.